Eine zweite Chance für Korsika

Vor drei Jahren hatten wir Korsika schon einmal erkundet – doch Susanne litt so sehr unter den Mücken, dass selbst Anti-Mückenmittel nicht halfen. Trotzdem: Die Insel hatte uns in ihren Bann gezogen. Also beschlossen wir, es im Frühjahr noch einmal zu versuchen. Schon im Dezember 2025 buchten wir die Überfahrt von Livorno nach Bastia und die Rückfahrt 2,5 Wochen später. Die Vorfreude war groß, doch wie so oft im Leben kam alles anders als geplant.

Der Start: Zwischen Arbeit, Feiertagen und spontanen Plänen

Die Abreise rückte näher, doch die Arbeit – beruflich wie privat – wurde einfach nicht weniger. Unser ursprünglicher Plan, am 30. April direkt nach Feierabend aufzubrechen, platzte. Stattdessen entschieden wir uns, am 1. Mai im Laufe des Tages zu starten. Unser erster Halt: der Campingplatz Sultmer Berg in Northeim. Die Sonne schien, und wir genossen eine schöne Runde mit den Hunden im nahen Wald. Schon beim Einchecken fiel uns auf: Der Platz war voller alter VW-Bullis – vermutliche Ausflügler, die den Feiertag für einen Besuch im PS-Speicher Einbeck nutzten. Da wir einen Tag später starteten, wurde die nächste Etappe nach Österreich etwas länger.

Österreich: Berge, Einsamkeit und eine unerwartete Erkenntnis

Nach einer ruhigen Nacht ging es Richtung Österreich. In Brand hatten wir eigentlich zwei Nächte gebucht – doch schon nach einer Nacht war klar: Das war genug. Nicht, dass der Stellplatz oder die Lage schlecht gewesen wären. Aber irgendwie konnten wir uns mit Bergen einfach nicht anfreunden. Von zehn Plätzen waren neun belegt, unser Schweizer Nachbar hatte sogar eine Geschirrspülmaschine dabei. Ein Wintersportort im Sommer wirkt trostlos: Die meisten Restaurants waren geschlossen, und die Größe der Seilbahn ließ erahnen, was hier im Winter los sein muss. Also machten wir das Beste daraus: eine Runde mit den Hunden in den Bergen und ein kurzer Besuch im Ort. Früh ging es ins Bett – denn am nächsten Tag sollte es in die Toskana gehen.

Doch bevor es losging, musste erstmal eine Tankstelle gefunden werden.

Toskana: Agritourismo, Tiere und ein unerwarteter Fußmarsch

Am 3. Mai 2026 herrschte auf dem Stellplatz Abreisestimmung. Einige waren schon weg, andere packten. Wir starteten am späten Vormittag Richtung Toskana – eine lange Strecke lag vor uns. Den Brenner mieden wir und fuhren stattdessen durch die Schweiz. Gegen Abend checkten wir im Agritourismo Il Pruno ein. Der erste Eindruck war etwas enttäuschend: Unser Stellplatz wirkte unscheinbar. Doch im Nachhinein war es perfekt – hohe Hecken links und rechts gaben uns unser eigenes kleines Reich.

Unsere Vorräte waren aufgebraucht, und ich war froh, dass wir vor der Ankunft noch im örtlichen Supermarkt einkaufen konnten. Was auf Google Maps wie ein kurzer Spaziergang aussah, entpuppte sich als zwei Kilometer Fußmarsch an einer stark befahrenen Straße. Nach einem kurzen Gassi mit den Hunden aßen wir erst gegen 22 Uhr zu Abend. Am nächsten Tag konnten wir ausschlafen – wir hatten ja zwei Tage gebucht.

Nach einem ausgiebigen Frühstück erkundeten wir die ehemalige Gärtnerei. Schweine, Hühner und andere Tiere begrüßten uns. Die Toskana verabschiedete uns mit Regen – doch wir waren bereit für den nächsten Schritt.

Pisa, Einkaufsstress und ein schmutziges Bett

Bevor es nach Korsika ging, machten wir einen Abstecher nach Pisa, um für Tilda ein neues Geschirr zu kaufen und unsere Vorräte aufzufüllen. Während die letzten Tage warm und sonnig gewesen waren, goss es an diesem Tag in Strömen. Während wir im Supermarkt einkauften, hatte Tilda im Auto Durchfall – und so mussten wir nach unserer Rückkehr erstmal das komplette Bett reinigen. Zum Glück hatte unsere Fähre eine Stunde Verspätung, sodass wir genug Zeit hatten, alles zu richten. Zurück in den Supermarkt, neue Bettlaken besorgt, zurück zum Van und das Bett frisch bezogen. Dann ging es Richtung Livorno.

Ein kurzer Blick auf den schiefen Turm von Pisa – und schon rollten wir über Landstraßen Richtung Hafen. Beim Einschiffen herrschte Chaos pur: PKWs, LKWs und zig Wohnmobile warteten in langen Reihen auf den Check-in. Plötzlich ging alles ganz schnell. Ein Auto nach dem anderen verschwand im Bauch des Schiffes. Die Camper wurden so eng geparkt, dass zwischen den Fahrzeugen nur wenige Zentimeter blieben. Wir suchten unsere Kabine auf und chillten fünf Stunden lang.

Korsika begrüßte uns mit Regen.

Cap Corse: Weite Wiesen, Olivenbäume und das erste Inselgefühl

Gegen 20 Uhr rollten wir endlich vom Schiff und fuhren Richtung erster Stellplatz am Cap Corse. Sofort war da dieses Gefühl: Wir sind auf einer Berginsel im Mittelmeer. Die Straßen waren eng und kurvig. Nach einer halben Stunde Fahrt erreichten wir den Camping Pietracorbara (La Pietra). Die Wiese war riesig – in der Vorsaison gab es genug Platz, um Kuschelcamping zu vermeiden. Warum sich ein Niederländer genau zwei Meter von uns entfernt hinstellte, blieb uns ein Rätsel. Also parkten wir am nächsten Morgen um – direkt neben einem Olivenbaum.

Nach einem ausgiebigen Frühstück wanderten wir ans Meer. Ein kleiner, schöner Strand, noch mit Strandgut bedeckt, während die Bars sich für die Sommergäste herrichteten. Wir genossen die Ruhe und den Blick aufs Meer.

Sonne, Wein und eine holprige Fahrt zum Wehrturm

Am nächsten Morgen begrüßte uns die Sonne – endlich! Wir verließen den Campingplatz und fuhren weiter Richtung Norden. Unser Plan: Wandern und korsischen Wein kaufen. Erster Stopp: eine Kellerei – doch sie war geschlossen. Susanne lernte stattdessen eine 90-jährige Dame kennen. Also fuhren wir weiter zur Plage de Tamarone, um zum alten Wehrturm zu wandern.

Die Anfahrt war zunächst normal: kleine, schmale Straßen. Dann plötzlich ein ungeteerter Weg mit vielen Auswaschungen. Keine Höhenbeschränkungen – also fuhren wir langsam weiter. Belohnt wurden wir mit einem tollen Blick und einem Schattenplatz für den Kastenwagen. Zuerst ging es am Strand entlang, dann auf kleinen Pfaden den Berg hinauf – mit fantastischem Blick auf die Bucht. Später stiegen wir wieder hinab. Bei 20 Grad eine perfekte Wanderung für uns und die Hunde. Im Hochsommer würde ich sie aber nicht empfehlen – es gibt kaum Schatten.

Nach einer Stunde erreichten wir unser Ziel und rasteten. Einige Mutige badeten im Meer. Eigentlich wollten wir in der Strandbar noch einen Kaffee trinken – doch um die Mittagszeit war alles voll. Eine Schulklasse hatte die Terrasse besetzt. Also fuhren wir weiter – und hatten Glück: Die Kellerei war jetzt offen! Wir kauften korsischen Wein und freuten uns auf den Abend.

Centuri: Langusten, Hafenflair und pure Entschleunigung

Bis zum nächsten Stellplatz waren es keine 70 Kilometer. Wir fuhren kurz am Tollare vorbei, wo es einen der wenigen Stellplätze gibt. Doch er lag in der prallen Sonne, ohne Schatten und war für unsere Verhältnisse zu voll. Also fuhren wir weiter zum Camping Centuri (Isulotto). Unterwegs mussten wir noch einen Supermarkt finden, um für die Hunde einzukaufen. Wir fanden einen Vival in einem kleinen Dorf – der öffnete aber erst um 16 Uhr. Also tranken wir in einer kleinen Bar einen Kaffee und bemerkten, dass der MAX-Fan irgendwie schief saß. Das richteten wir später auf dem Campingplatz.

Kurz vor fünf checkten wir ein und suchten uns eine große Parzelle. Freie Platzwahl ist für uns immer so eine Sache – doch diesmal klappte es. Wir richteten uns häuslich ein und nutzten die Waschmaschine des Campings, um unsere dreckigen Klamotten zu waschen.

Wir blieben zwei Nächte in Centuri – und es fühlte sich an, als hätte jemand die Uhr angehalten. Der Port de Centuri war genau das, was wir uns erträumt hatten: ein winziger Fischerhafen, in dem die Boote sanft im türkisblauen Wasser schaukelten. Die Gassen waren eng, die Häuser in Pastelltönen gestrichen, und überall hingen bunte Netze und Bojen zum Trocknen.

Wir setzten uns in eines der vielen Restaurants direkt am Kai, bestellten ein eiskaltes Pietra-Bier (die korsische Antwort auf das deutsche Pils) und beobachteten, wie die Fischer ihre Netze flickten. Die Sonne stand tief, tauchte alles in ein goldenes Licht, und das Klappern der Teller und Gläser vermischte sich mit dem Plätschern der Wellen und dem gelegentlichen Ruf der Möwen. Hier saßen wir stundenlang, tranken Wein, aßen frische Meeresfrüchte-Pasta und fühlten uns, als wären wir die einzigen Touristen auf der ganzen Insel. Genau das war perfekt.

Nichts tun. Einfach nur sein. Kein Programm, kein Stress – nur das sanfte Rauschen des Meeres, das Knistern der Sonnenschirme und das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.

Saint-Florent: Trüffel-Pommes, Zitadellen-Blick und ein Déjà-vu

Die 40 Kilometer von Centuri nach Saint-Florent waren eine der schönsten Strecken unserer Reise. Die Straße schlängelte sich durch Olivenhaine und Weinberge, und bei jedem Blick aus dem Fenster bot sich ein neues Postkartenmotiv. Als wir ankamen, erinnerten wir uns plötzlich: Hier waren wir schon vor drei Jahren! Damals hatten wir den Ort nur durchquert, aber heute wollten wir bleiben.

Hinter einem Supermarkt fanden wir einen kostenlosen Parkplatz – und dann ging’s los: Die Flaniermeile war gesäumt von Restaurants, deren Terrassen bis auf den letzten Platz gefüllt waren. In einer kleinen Seitenstraße entdeckten wir ein verstecktes Café mit schattigen Tischen unter Platanen. Hier bestellten wir Weißwein (ein kühler, trockener Muscat du Cap Corse), einen Nizza-Salat mit Thunfisch und Oliven und – das absolute Highlight – Pommes mit Trüffelmayonnaise. Die Pommes waren knusprig, die Mayo cremig mit einem Hauch von Trüffel, der so intensiv war, dass wir uns fragten, ob wir wirklich auf Korsika oder doch in einem Pariser Sterne-Restaurant saßen.

Mit vollem Bauch und glücklichen Herzen machten wir uns auf zur Zitadelle. Der Aufstieg war kurz, aber steil – belohnt wurden wir mit einem atemberaubenden Blick über das Meer, das in der Abendsonne wie flüssiges Gold glitzerte. Die alten Mauern der Festung waren von Efeu umrankt, und in der Ferne hörten wir das Glockenspiel der Kirche und das Lachen von Kindern, die auf dem Platz unten Fußball spielten. Einer dieser Momente, in denen man denkt: Das hier werde ich nie vergessen.

Plage de l’Ostriconi: Sand zwischen den Zehen und ein Hundeabenteuer

Nach einem Stopp im Spar (wo wir uns mit lokalem Käse, frischem Baguette und einer Flasche Patrimonio-Wein eindeckten) ging es über kurvenreiche Straßen zum Camping Village de l’Ostriconi. Vor drei Jahren hatten wir hier auf einer traumhaften Wiese gestanden – doch diesmal war die Saison noch nicht voll im Gange. Die Parzellen waren kaum abgesteckt, und wir durften uns frei einen Platz suchen. Die Suche danach dauerte länger als erwartet, aber am Ende fanden wir unser kleines Reich zwischen wilden Blumen und einem alten Olivenbaum.

In der Nacht prasselte der Regen auf das Dach unseres Campers, und auch am Morgen waren noch ein paar Tropfen zu hören. Also blieben wir länger im Bett, genossen die Gemütlichkeit und frühstückten erst gegen Mittag mit frischem Kaffee und selbstgemachten Pain-perdu-Scheiben. Als die Sonne endlich durchbrach, ging es für uns vier – inklusive unserer Hunde Tilda und Gustl – an den Strand. Der Weg dorthin führte durch duftende Macchia-Felder und über einen kleinen Fluss, dessen Wasser so klar war, dass wir die Fische darunter sehen konnten. Plötzlich standen wir vor einem traumhaften Sandstrand, der sich wie ein endloses Band in die Ferne schlängelte. Obwohl nur wenige Menschen da waren, liefen wir bis ans andere Ende, damit Tilda, unsere abenteuerlustige Hündin, frei herumtollen konnte.

Wir erkundeten die felsigen Klippen, genossen die tollen Ausblicke auf das türkisfarbene Meer und entdeckten eine menschenleere Bucht mit kristallklarem Wasser. Am Plage de l’Acciolu packten wir unsere Badesachen aus und sprangen ins kühle Nass. Die Hunde hatten ihren Spaß – Balu buddelte wie wild im Sand, während Tilda begeistert hinter den Wellen hersprang. Wir selbst schwammen hinaus, bis das Wasser uns bis zur Brust reichte, und ließen uns von den Wellen tragen.

Auf dem Rückweg wurde es dann nochmal spannend: Die Furt, die Tilda morgens problemlos durchquert hatte, schien ihr jetzt plötzlich unheimlich. Sie blieb stehen, wedelte unsicher mit dem Schwanz und weigerte sich, weiterzugehen. Mit Geduld, gutem Zureden und einem Stückchen korsischer Wurst als Lockmittel überzeugten wir sie schließlich – und waren stolz wie Bolle, als sie es schaffte. Manchmal sind es die kleinen Siege, die den Tag unvergesslich machen.

L’Île-Rousse: Ein Ort, der uns fast entgangen wäre

Zwei Tage vergingen wie im Flug. Erst nach 12 Uhr verließen wir den Campingplatz – was völlig in Ordnung war, denn die Tagesetappe war wieder einmal kurz. Unser Ziel: L’Île-Rousse. Die kleine Stadt ist nicht sehr Camper freundlich und so suchen wir etwas außerhalb uns einen Camping-Platz.

Unser Lager ist ca. 3 Kilometer vom Zentrum entfernt. Laut Google Maps gab es zwei Wege in den Ort. So beschließen wir, zu Fuß nach L’Île-Rousse zu gehen. Der Bergweg war plötzlich gesperrt, also entschieden wir uns für den Küstenpfad. Doch am Ende war unklar, ob wir wirklich in der Stadt ankommen würden. Die Sonne brannte, der Wind pfiff uns um die Ohren, und der Geruch von wildem Rosmarin und Thymian lag in der Luft. Nach einer Stunde Wandern standen wir plötzlich vor einer Eisenbahnstrecke. Kein Durchkommen. Enttäuscht drehten wir um.

Doch dann: Rettung in letzter Sekunde! Uns entgegen kam ein Mann mit einem abgewetzten Strohhut und einem Lächeln, das Verheißung war. Er sprach uns erst auf Französisch an, Susanne antwortete – dann wechselten wir zu Englisch und stellten fest: Ein Landsmann! Er verriet uns den Geheimtipp: „Vor dem Bahnhof gibt es eine Lücke im Zaun. Da könnt ihr durch.“ Und dann überreichte er uns noch einen handgeschriebenen Zettel mit den Fahrzeiten der Bahn. Also drehten wir um, überwanden den Gehschutz (der aus rostigen Metallgittern bestand) und schlüpften durch das Loch.

Und sieh da: L’Île-Rousse lag vor uns – ein buntes, lebendiges Städtchen mit kleinen Gassen, Cafés und einem Hafen, in dem die Boote sanft im Wasser schaukelten. Wir bestellten einen Espresso und ein Glas Pastis (der Anis-Geruch vermischte sich mit dem Duft von frischem Kaffee) und schlenderten durch die Straßen. Die Häuser waren in warmen Ocker- und Rottönen gestrichen, und überall hingen Blumentöpfe mit Geranien an den Fenstern. Am Abend fuhren wir mit der Bahn eine Station zurück zum Campingplatz – und waren uns einig: Manchmal sind es genau diese unerwarteten Momente, die eine Reise unvergesslich machen.

Pigna: Künstlerdorf mit Blick aufs Meer und kulinarische Köstlichkeiten

Unser nächster Halt war Pigna, ein malerisches Künstlerdorf, das sich wie ein Postkartenmotiv an den Hang schmiegt. Schon vor drei Jahren hatten wir uns vorgenommen, hierher zurückzukehren – und diesmal sollte es klappen. Wir fanden direkt einen Parkplatz und machten uns auf den Weg zum kleinen Café mit der atemberaubenden Aussicht.

Doch als wir ankamen, war der Ort schon belebt: Ein Reisebus hatte gerade seine Insassen entlassen, die sich nun durch die engen Gassen drängelten. Wir überholten die Gruppe und ergatterten einen Tisch mit dem besten Blick aufs Mittelmeer. Die beiden Hunde, Tilda und Balu, benahmen sich vorbildlich – sie lagen entspannt unter dem Tisch und genossen die kühle Schattenseite.

Wir bestellten die legendären 8 korsischen Köstlichkeiten – eine Auswahl kleiner, typisch korsischer Gerichte, die uns schon beim letzten Mal begeistert hatten. Dazu gab es einen kühlen Weißwein, der perfekt zu den verschiedenen Geschmacksnoten passte: von würzigem Wildschwein-Pâté über cremigen Brocciu-Käse bis hin zu süßen Kastanien-Desserts. Jeder Bissen war ein kleines Fest, und wir wechselten uns ab – mal probierte Susanne, mal ich – während wir den Blick auf das glitzernde Meer genossen.

Wie lange wir so saßen? Keine Ahnung. Die Zeit verging wie im Flug. Irgendwann merkten wir, dass die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwand und die ersten Lichter in den Gassen aufleuchteten. „Wenn es am schönsten ist, sollte man aufbrechen“, sagte Susanne – und so machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: Porto.

Doch der Abschied fiel schwer. Pigna hat etwas Magisches – die bunten Häuser, die kreativen Galerien und diese besondere Atmosphäre, als wäre die Zeit hier stehengeblieben. Wir wussten: Hierher werden wir wiederkommen.

Porto: Pizzen, Passstraßen und ein Baum, der uns fast besiegte

Unser nächster Stopp: Porto. Die 60 Kilometer dorthin waren ein Traum für alle Sinne. Die Straße schlängelte sich durch wilde Schluchten, vorbei an Felswänden, die in der Sonne rot glühten, und über einen Pass, der uns das Gefühl gab, auf dem Dach der Welt zu fahren. Bei jeder Kurve bot sich ein neues Panorama – mal das tiefblaue Meer in der Ferne, mal die grünen Hügel, die sich bis zum Horizont erstreckten.

Eigentlich wollten wir direkt auf dem Camping Municipal einchecken – doch der war nicht in Betrieb. Also landeten wir auf dem Camping Sole Vista. Die Platzsuche gestaltete sich als kleine Herausforderung: Die Parzellen waren „kreativ“ eingezeichnet, und wir fanden schließlich einen Platz neben einem riesigen Korkeichenbaum. Dessen hängende Äste machten das Einparken zum Balanciertanz. Zum Glück hatten wir eine Leiter dabei – während ich rückwärts fuhr, saß Susanne auf dem Dach und schob die Äste beiseite. „Links! Nein, rechts! Jetzt stopp!“ – Teamwork in Reinform!

Am Abend holten wir uns zwei Pizzen aus dem erstmals in der Saison geöffneten Restaurant – und waren begeistert. Die Korsen machen tatsächlich grandiose Pizzen: knuspriger Teig, frische Tomaten, lokaler Käse und eine Prise wilder Oregano, der auf der Zunge explodierte. „Fast so gut wie in Neapel!“ Mit einem Film auf Netflix und vier müden Seelen ging es ins Bett.

Cargèse: Griechisches Flair, Kaffee mit Sahneberg und ein Hauch von Griechenland

Am Abreisetag goss es in Strömen. Unser Platz lag direkt an einer Treppe, und das Wasser floss wie ein kleiner reißender Fluss ins Tal. Ich musste an unseren Aufenthalt an der Amalfiküste denken, als plötzlich ein Alarm losging, weil es in Strömen regnete. Doch gegen Vormittag ließ der Regen nach, und wir machten uns auf den Weg nach Cargèse.

Dieser Ort hat etwas Magisches: 1.000 Einwohner, griechische Wurzeln und eine freundliche Ausstrahlung, die einen sofort willkommen heißt. Die Häuser sind weiß getüncht, mit blauen Fensterläden – als wäre man plötzlich auf einer griechischen Insel. Trotz des trüben Wetters setzten wir uns in eines der vielen Cafés und bestellten Kaffee mit Sahne – oder besser gesagt: mehr Sahne als Kaffee. Die Tasse war randvoll, die Sahne so dick, dass der Löffel fast senkrecht darin stehen blieb. Ein kleiner Luxus, der den Tag rettete.

Ajaccio: Großstadt-Trubel und ein Campingplatz am Fluss

Ajaccio, die Hauptstadt Korsikas, war nicht unser Ding. Zu viel Trubel, zu wenig Platz für Camper. Die 75.000-Einwohner-Stadt wirkte auf uns wie ein überfüllter Ameisenhaufen – überall hupende Autos, hetzende Menschen und der Geruch von Abgasen und Fast Food. Nach einer erfolglosen Suche durch die engen Gassen landeten wir auf einem einfachen Campingplatz direkt an einem Fluss – mit Bademöglichkeit.

Als wir eincheckten, waren nur vier weitere Camper da. Am nächsten Tag hatten wir den ganzen Platz für uns allein. Die Duschen waren ein Erlebnis: Bei zwei kam kein warmes Wasser, und das Waschhaus war einfach, aber sauber. „Camping-Luxus sieht anders aus – aber es hat seinen Charme“, wie Susanne trocken bemerkte.

Corte: Wasserfälle, Fußballfeste und Nostalgie

Vor drei Jahren hatten wir uns in Corte, die alte Hauptstadt, verliebt. Diesmal wollten wir unbedingt wieder hin. Nach einem Einkaufsstopp am Sonntag (ja, auch Korsen kaufen sonntags ein! Die Supermärkte sind voll mit Einheimischen, die sich für die Woche eindecken) machten wir uns auf zur Cascade des Anglais.

Die kleine Wanderung nach zwei Tagen Faulenzen tat gut. Wir parkten unseren Camper am Berg aufwärts und sicherten ihn mit Steinen hinter den Vorderreifen gegen das Zurückrollen. Die erste Strecke führte durch einen dichten Kastanienwald, in dem das Licht durch die Blätterkronen fiel und tanzende Lichtflecken auf den Boden warf. Nach 30 Minuten kamen wir an einem Schild vorbei, auf dem stand, dass es noch 20 Minuten bis zu den Wasserfällen waren. Wir wanderten weiter – und wunderten uns, dass wir keine Wasserfälle sahen. Gefühlt wurde der Weg auch immer schmaler.

Nach einer Stunde drehten wir um und stellten fest: Wir waren viel zu weit gelaufen. Die Cascade des Anglais waren nicht weiter ausgeschildert – und als wir sie endlich fanden, waren sie zwar schön, aber nicht das absolute Highlight. Doch die Bewegung in der Natur war es wert. Das Gebiet war wildromantisch, mit moosbewachsenen Felsen und kleinen Bächen, die sich durch das Grün schlängelten.

Am Camping La Restonica Corte fanden wir einen großzügigen Platz in der hinteren Ecke. Am Abend genossen wir den Flair der Alt- und Universitätsstadt. Überall hingen bunte Wäscheleinen zwischen den Häusern, und aus den offenen Fenstern drang das Klanggewirr von Gitarrenmusik und Gelächter. Plötzlich wurde es laut: Die heimische Fußballmannschaft hatte gewonnen, und die Fans feierten ausgiebig. „So lebendig kann Korsika sein!“ – und wir mittendrin, mit einem Glas lokalem Rotwein in der Hand.

Aléria: Austern, Strandbars und Hunde, die an ihre Grenzen kommen

Laut Reiseführer sollte es in Aléria einen schönen Weg entlang des Strandes zum Etang de Diane geben – bekannt für seine Austernzucht. Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir auf dem Parkplatz an. Eine Strandbar war geöffnet, die andere noch im Winterschlaf. Der Camper parkte im Schatten, und der Maxfan lief auf höchster Stufe – ein Muss, denn die Hitze war erdrückend.

Der Strand war nicht allzu breit, und überall lagen richtig große Baumstämme und Äste, die das Meer hier angeschwemmt hatte. Wir machten uns auf den Weg in Richtung See. Die Hunde waren begeistert – sie durften sogar frei laufen, denn kaum Menschen waren unterwegs. Zwischen Meer und See lag ein kleines Naturschutzgebiet, in dem wilde Flamingos (ja, wirklich!) im flachen Wasser standen.

Die Sonne brannte, und wir kamen an unsere Grenzen. Besonders Gustl, der Mops, musste alle 10 Minuten eine Pause einlegen. Sein Atem ging schwer, und seine Zunge hing ihm bis zum Bauch heraus. Zum Glück gab es Pfützen, in denen er sich abkühlen konnte – und wir uns die Köpfe nass machten. Die gesamte Wanderung dauerte zwei Stunden, und am Ende waren wir alle völlig erschöpft, aber glücklich.

Camping Corse bord de mer Merendella: Luxus am Meer und ein Hauch von Vorsaison-Ruhe

Nach einem Tag voller Abenteuer und Entdeckungen machten wir uns auf den Weg zum Camping Corse bord de mer Merendella – einem 5-Sterne-Campingplatz, der uns schon von den Bildern her verzaubert hatte. Doch als wir ankamen, stellte sich heraus: Wir waren eine Woche zu früh. Der Platz hatte noch nicht offiziell geöffnet. Doch das Schicksal meint es manchmal gut mit uns – entlang der Straße fanden wir einen anderen Campingplatz, der uns für die nächsten Tage aufnahm.

Doch dann die Überraschung: Camping Corse bord de mer Merendella hatte noch Plätze frei! Also checkten wir ein und wurden mit freier Platzwahl belohnt – eine Herausforderung, die wir nur zu gerne annahmen. Die meisten Parzellen waren mit einem eigenen Kühlschrank und einer kleinen Laube ausgestattet. Wir entschieden uns für einen Platz in der zweiten Reihe, nicht direkt am Meer, aber mit einem wunderschönen Blick auf die türkisfarbene Bucht.

Unser Nachbar war ein eingefleischter Korsika-Fan – sein Kastenwagen zierte ein Riesengemälde einer bekannten Inselbucht. Während wir die meisten Tage draußen verbrachten, blieb er meist in seinem Auto. Doch das war uns nur recht: Wir hatten den Platz fast für uns allein.

Die nächsten drei Tage vergingen wie im Flug. Wir badeten im kristallklaren Mittelmeer, und Tilda lernte das Baden im Meer kennen – und lieben. Am Anfang war sie noch skeptisch, doch nach ein paar Versuchen sprang sie begeistert durch die Wellen. Der Mops, blieb lieber am Strand und buddelte Löcher in den Sand.

Die Vorsaison hatte ihren ganz eigenen Charme: Weniger Touristen, mehr Ruhe, und das Gefühl, die Insel fast für sich allein zu haben. Wir waren froh, nicht in der Hauptsaison unterwegs zu sein – hier konnte man noch echte Entschleunigung erleben.

Bastia: Der letzte Sonnenaufgang vor der Abreise

Am letzten Tag auf der Insel wählten wir einen Campingplatz in der Nähe des Fährhafens von Bastia. Die Fähre ging morgens um 8 Uhr Richtung Festland. Als wir ankamen, war der Platz schon gut gefüllt. Der Betreiber war geschäftstüchtig – jeder Quadratmeter wurde ausgenutzt. Wir bekamen einen Platz am äußeren Ende, eng, aber mit genug Abstand, um „Kuschelcamping“ zu vermeiden.

Am Abend holten wir uns noch eine Pizza Margherita im Restaurant und aßen sie auf der grünen Wiese direkt am Strand. Der Wind wehte leicht, und das Meer rauschte im Hintergrund. Perfekter Abschied.

Die Abfertigung in Bastia war ein Traum: reibungslos, schnell. Kurz vor dem Einchecken wurden die Wohnmobile noch auf Pflanzen kontrolliert (Korsika ist streng, was die Einschleppung von Pflanzen angeht). Dann bezogen wir unsere Kabine, frühstückten und schliefen noch ein bisschen. Pünktlich um 13 Uhr erreichten wir Livorno. Eine halbe Stunde später waren wir auf dem Weg nach Pisa.

Der Wecker klingelte um 5 Uhr. Als ich mit den Hunden ging, sah ich einen wunderschönen Sonnenaufgang – das Meer war rosafarben, und die ersten Strahlen der Sonne tauchten die Wolken in Gold und Orange. Viele Camper waren schon wach, und wir wussten: Wir würden sie am Hafen wiedersehen.

Eine halbe Stunde später sind wir aus auf den Weg in Richtung Pisa. Im Park von Villa del Combo brunchen wir. Leider steht diesmal hier kein Foodtruck und die letzten Meter zur Villa ist auch gesperrt. Ein Besichtigung ist nur an Wochenende oder Feiertagen möglich. Also gehen wir nur spazieren und fahren für die nächsten drei Stunden in Richtung Norden.

Die Rückreise: Von Aperol Spritz bis Pfingstmontag

Kurz vor Mailand hielten wir auf einem Rastplatz an. 10 Minuten entfernt sollte es einen kostenlosen Stellplatz geben – und sieh da: Mitten im Nirgendwo standen plötzlich drei Wohnmobile, alle mit deutschen Kennzeichen. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen unter einer Pappel und gingen in den Ort.

In einer kleinen Bar bestellten wir zwei Aperol Spritz – der erste Schluck schmeckte nach Urlaub, Freiheit und Dolce Vita. Am Abend trafen sich die Dorfbewohner auf dem zentralen Platz, und wir bestellten einen zweiten Spritz. Die Atmosphäre war entspannt und gesellig, und wir fühlten uns wie ein Teil der Gemeinschaft.

Am nächsten Morgen standen 10 Wohnmobile dort. Wann die angekommen waren? Keine Ahnung. Aber es war Pfingstwochenende, und die letzten Tage unserer Frühlingstour brachen an.

In Colmar hatten wir für zwei Tage einen Stellplatz reserviert. Die Stadt begrüßte uns mit 32 Grad im Schatten – der Schweiß lief uns beim Aufbau des Lagers den Rücken hinunter. Zum Glück konnten die Hunde ins Wasser und sich abkühlen. Am späten Nachmittag erkundeten wir die Stadt, besuchten Little Venice und genossen das pulsierende Leben. Die Häuser waren bunt wie ein Märchen, und überall hingen Blumenampeln, die in der Sonne leuchteten.

Am Abend holten wir uns einen Flammkuchen – dünner Teig, belegt mit Speck, Zwiebeln und Crème fraîche – und erfuhren, dass in der Nacht einige Wohnmobile aufgebrochen worden waren. „Wir haben davon nichts mitbekommen – und ehrlich gesagt: Auf der ganzen Reise war unser Camper kein einziges Mal abgeschlossen.“

Fazit: Korsika, wir kommen wieder!

Korsika hat definitiv seine zweite Chance genutzt. Für uns ist die beste Reisezeit Anfang bis Mitte Mai: wenig Mücken, aber dennoch schön warm und eine gute Infrastruktur. Die Campingplätze sind noch nicht überfüllt, und bei vielen hat man freie Platzwahl.

Die Insel hat uns verzaubert – mit ihren wilden Landschaften, den herzlichen Menschen, dem kristallklaren Meer und den kulinarischen Highlights. Sollten wir ein drittes Mal auf die Insel fahren, würden wir wieder von Norden in Richtung Süden reisen.

Denn eines ist sicher:
Nach der Reise ist vor der Reise.